Unabgeschlossenes Buchprojekt
2013
Tagebuch eines Fußmarschs von Berlin nach München, September 2013. Auszug.
Text: Josef Knoll
Mittwoch, 25. September 2013

Einige Bahnangestellte bei einem Weg nah den Gleisen, die sich wahrscheinlich wegen Bauarbeiten mit der Trompete Signale zupusten. Das Havelufer. Ein Reh. Vorhin im Dunkeln, als ich gerade auf der Suche nach einem Schlafplatz war: ein Köter rennt auf mich zu, bellend und verflucht schnell. Ein schwarzer Schäferhund, glaube ich. Schalte die Taschenlampe an und aus. Ich sehe kein Herrchen, bleibe wie festgefroren stehen, taste nach meinem Taschenmesser und rufe einige Male ein schüchternes Hallo und rufen Sie Ihren Hund zurück. Die Kontur einer dicken Mutti, mit schriller, hoher Stimme, ruft Schnappi, reagiert ansonsten nicht auf mich. Wahrscheinlich hat sie genau so viel Angst vor mir wie ich vor dem Hund. [...] Seit einigen Stunden starker Regen. Schlage mein Zelt auf einer Wiese auf, im Dunkeln, mit zwei Taschenlampen. Angst vor "Schnappi brav!". Das Wasser ist mir vor Stunden ausgegangen. Bin kurz hinter Sputendorf. Ansonsten alles nach Plan, bin etwas weiter gekommen als gedacht.

Donnerstag, 26. September 2013

Hab mich nachts stündlich übergeben und kaum geschlafen. Weiß nicht, ob es der Durst, die Überanstrengung oder ganz einfach das stinkende Zelt war. Die Nacht über nahm der Regen noch zu. Morgens trinke ich aus den Pfützen im Zelt, bin ziemlich am Ende. Das schon jetzt. [...] Stehe dann vor einem Naturschutzgebiet, das im Sommer offen, jetzt aber abgeriegelt ist. Bin nach Karte gegangen, der Weg scheint gut geplant zu sein, nur eben nicht für diese Zeit, frage mich, ob der Typ, der den Plan erstellt hat, in Gasthäusern übernachtet hat? Muss ihn anschreiben, sobald ich wieder in München bin. Ich mache also einen Umweg. Freue mich über den Blankensee. Hier bleibe ich eine Weile. Meine einzige Zigarette heute, in langsamen Zügen.

Freitag, 27. September 2013

Gut geschlafen diesmal. Die Sonne scheint. Die Übelkeit ist auch weg, habe endlich wieder Hunger. [...] Komme in einen Wald, in dem alle zweihundert Meter ein Schild steht mit der Aufschrift: Vorsicht ehemaliger Truppenübungsplatz, Liegegut der Gesundheit schädlich, besonders Gebäuderückstände und Munitionsablagerungen. Hier pflückt eine Alte Pilze. Später bei Kloster Zinna stoße ich wieder auf meine Route. Hier meine Zigarette für heute.

Josef Knoll

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